9. Januar 2019
Lesedauer: 3 Minuten
von Barbara Debold

„Nur wer weiterlernt, kommt voran.”

„New Work” geistert seit geraumer Zeit als Konzept durch die Arbeitswelt. Von einer neuen Art der Arbeit ist die Rede, neue Formen der Zusammenarbeit werden definiert, und viele versprechen sich mehr Flexibilität und vielfältige, sinnstiftende Aufgaben.

Der Begriff ist aber bislang auch noch wenig konkret. Was genau darunter zu verstehen ist, ist nicht abschließend definiert – und genau darin liegt auch derzeit seine Schwäche: Wenn Arbeitnehmende und Unternehmen New Work unterschiedlich definieren oder verschiedene Hoffnungen damit verknüpfen, wird es schnell schwierig, allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

New Work muss zur Unternehmenskultur passen

Frank Scheelen hat über viele Jahren Erfahrung in der Personalentwicklung, Managementberatung und -diagnostik gesammelt. Der Betriebsökonom bekleidete Führungspositionen im Controlling, ist mittlerweile seit 27 Jahren selbstständig und als Unternehmer, Speaker, Berater und Autor zu den Themen Leadership 4.0, Stressmanagement und Leistungserhalt tätig. Er sagt: „Bei New Work geht es nicht nur darum, ein Büro schick einzurichten und Homeoffice anzubieten – das ist schnell gemacht. Vielmehr muss das alles zur Unternehmenskultur passen.“ Unternehmen machen oft den Fehler, das Konzept „New Work“ einfach überzustülpen und die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter zu verändern –  ohne aber den Menschen wirklich mitzunehmen.

„Ganz ohne Präsenz vor Ort geht es nicht.“

Die soziale Komponente von Arbeit

Scheelen weiß, wie wichtig die individuelle Betrachtung der Mitarbeitenden ist. Nicht alle fühlen sich dem schnellen Wandel gewachsen, sondern eher überrumpelt. Auch wenn projektbezogene Zusammenarbeit das klassische Angestelltenverhältnis zukünftig ablösen könnte, ist die soziale Komponente der Arbeit nicht zu unterschätzen: „Homeoffice für ein oder zwei Tage in der Woche mag für viele noch angenehm sein. Oft können Mitarbeiter in dieser Zeit vieles bearbeiten, wofür im Büro die Ruhe fehlt“, so der Experte. „Aber täglich alleine zu Hause arbeiten? Meetings nur noch virtuell? Das kommt nicht jedem Naturell entgegen. Und der kurze Plausch an der Kaffeemaschine oder der gemeinsame Lunch mit Kollegen fehlt vielen schnell.“

NEW WORK

Der Begriff geht zurück auf den Sozialphilosophen Frithjof Bergmann, der ein alternatives Arbeitsmodell entwickelte. Für ihn stand fest: Der Fokus sollte auf der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und Kreativität liegen. Was Bergmann bereits vor Jahrzehnten beschäftigte, wird heute umsetzbar – und zwar sowohl technologisch als auch gesellschaftlich. Mittlerweile bezeichnet NEW WORK die Arbeitsweise der heutigen Gesellschaft im globalen und digitalen Zeitalter, die durch mehr Freiheit, Selbstbestimmtheit und Teilhabe an der Gemeinschaft definiert wird. Maßgebliche Veränderungen finden in der Struktur von Arbeit und in unserer Einstellung zur Arbeit statt.

„Unternehmen müssen das Wir-Gefühl stärken.“

Arbeitnehmer brauchen Ankerpunkte

Menschen definieren sich stark über das Unternehmen, für das sie tätig sind. Unter Kollegen entwickeln sich soziale Strukturen, die helfen, sich im Unternehmen zurechtzufinden, und die Zugehörigkeit, das Wir-Gefühl, stärken. Diese emotionale Bindung untereinander und zum Unternehmen muss in Zeiten von New Work besonders im Auge behalten werden. „Unternehmen müssen durch gemeinsame Erlebnisse Ankerpunkte schaffen. So können Webinare oder ein Treffen am Abend vor dem ganztägigen Meeting dabei helfen, Menschen zusammenzubringen. Solche Maßnahmen lassen sich betriebswirtschaftlich nicht unbedingt erfassen, helfen aber dabei, die Unternehmenskultur zu festigen“, so Scheelen.

Selbstdisziplin und Eigenverantwortung sind gefragt

Ein Aspekt, den viele mit New Work verbinden, ist die ständige Erreichbarkeit und das Verschmelzen von Arbeits- und Freizeit. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance muss darum oberste Priorität haben, sonst können Stress und Burn-out die Folge sein. Für viele Arbeitnehmende bringt das ganz neue Herausforderungen mit sich. „Die Menschen müssen sich ihre freien Zeiten aktiv einplanen, das erfordert Selbstdisziplin und Eigenverantwortung. Auf der anderen Seite sind natürlich auch die Unternehmen in der Verantwortung, für ihre Mitarbeiter Sorge zu tragen“, erklärt Scheelen. „Nur so können sich Leistungsträger auch weiterhin entfalten und ihr Potenzial ins Unternehmen einbringen.“

Weiterbildung als Mehrwert

Das alles liegt natürlich auch im Interesse der Arbeitgeber, denn eine gelungene Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen bringt viele Vorteile für die Firma, ist heutzutage jedoch besonders schwer zu erreichen. Unternehmen müssen heute mehr denn je Anreize schaffen, um geeignete Fachkräfte zu finden und auch langfristig für das Unternehmen zu begeistern. „Ein finanzieller Anreiz mag im ersten Moment verführerisch sein, dieser Reiz ebbt aber schnell ab. Viel wichtiger ist die emotionale Ebene. Welchen Wert, welchen Sinn biete ich den Kolleginnen und Kollegen in ihrer täglichen Arbeit? Und natürlich ganz konkrete Angebote, wie zum Beispiel die Möglichkeit, sich weiterzubilden“, weiß Scheelen.

„Welche Fähigkeiten und Kenntnisse brauche ich, um meinen Job auch zukünftig ausüben zu können?“

Zukunftsgerichtetes Lernen

Eines ist klar: Stillstand kann sich keiner leisten. „Es genügt auch nicht mehr, auf fehlende Kenntnisse erst zu reagieren, wenn sie sichtbar werden. Die Menschen müssen zukunftsgerichtet lernen. Man sollte sich also regelmäßig darüber Gedanken machen, welche Fähigkeiten und Kenntnisse brauche ich, um meinen Job auch zukünftig ausüben zu können? Wo fehlt mir vielleicht Wissen? Was muss ich neu erlernen?“, empfiehlt der Experte.

Dabei sei es besonders wichtig, die Lerninhalte modulhaft und für jedes Endgerät verfügbar zu machen. Dass die Weiterbildung zeit- und ortsunabhängig möglich sein sollte, ist für Scheelen fast schon selbstverständlich. „Eine solche zeitgemäße Form des lebensbegleitenden Lernens kommt dem New-Work-Konzept sehr entgegen. Sie ist schnell, unkompliziert und direkt – genau so, wie es in unsere Arbeitswelt passt.“

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