22. Dezember 2020
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Mach mal Pause!

Einfach mal nichts tun? Lerncoach Roland Schwalm rät genau dazu - und erklärt, warum kleine und größere Unterbrechungen so wichtig beim Lernen sind.

Sind Sie auch mit viel Elan in das neue Jahr gestartet und ebenso hoch motiviert ins Fernstudium? Super! Vielleicht haben Sie sich schon einen Plan gemacht, wann Sie sich Zeit fürs Lernen nehmen wollen. Gerade für Berufstätige kann dies eine gewisse Herausforderung sein. Bei aller Motivation und Gewissenhaftigkeit sollte jedoch eins nicht vergessen werden: ab und zu mal Pause machen. Denn das vergessen leider viele.

Pause machen ohne schlechtes Gewissen
″Ich habe keine Zeit für Pausen, ich muss lernen - diesen Satz höre ich oft″, sagt Lerncoach Roland Schwalm. ″Aber das ist der völlig falsche Ansatz.″ Der Experte hat sich viel mit dem Thema Pause machen beschäftigt und weiß, wie wichtig die kleinen Auszeiten für das Lernen sind. Man sollte nämlich nicht glauben, dass während der Pausen nichts passiert. Im Gegenteil. ″Auch wenn wir Pause machen, lernen wir weiter″, erklärt Schwalm. ″Unser Gehirn braucht die Zeit, um die Informationen ordentlich zu verarbeiten, die es beim Lernen aufgenommen hat.″

Was während der Pausen passiert, nennt Schwalm darum auch ″passives Lernen″. ″Ohne Pausen geht es nicht″, bekräftigt er. ″Das ist wie beim Sport. Dort gibt es auch Zeiten der Anspannung und Zeiten der Entspannung - und beides ist gleich wichtig, um gute Leistung zu bringen.″

Warum vernachlässigen dennoch viele die Pausen? Schwalm sieht hier alte Vorurteile am Werk. ″Wenn wir Pause machen, sind wir faul - dieser Glaube hält sich leider hartnäckig″, weiß der Lerncoach. ″Das stimmt aber nicht. Wir brauchen Pausen, sie gehören zu einem erfolgreichen Lernen einfach mit dazu.″

"Wenn wir eine Pause machen, lernt unser Gehirn weiter."

Roland Schwalm, Lerncoach

Regelmäßigkeit ist entscheidend
Doch wann und wie oft sollte man eine Pause einlegen? Um mit frischem Kopf loszulegen, sollte man am besten schon vor dem eigentlichen Lernen für eine kleine Pause vom Alltag sorgen. Dies gilt besonders für diejenigen, die bereits tagsüber im Job mental stark gefordert werden. ″In dem Fall hat man den ganzen Tag schon viele Informationen aufgenommen, und da kann es schwierig werden, sich abends zu fokussieren″, weiß Schwalm. ″Mein Tipp: Schaffen Sie einen Bruch in Form einer kurzen oder längeren Unterbrechung. Dies gelingt am besten, wenn man irgendwas ganz anderes macht, zum Beispiel einen kleinen Spaziergang.″

Wenn das Lernen dann losgeht, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Pausen einzuplanen. Schwalm nennt zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Mini- und normalen Pausen. Alle 15 bis 25 Minuten sollte man eine Pause von zwei bis vier Minuten einlegen und sich kurz bewegen, das Fenster aufmachen und tief durchatmen. Nach 45 bis 60 Minuten sollte dann eine längere Pause von zehn bis 15 Minuten gemacht werden.

Auch die Pomodoro-Technik ist empfehlenswert: Hier wechseln sich Intervalle von 25 Minuten Konzentration und fünf Minuten Pause ab. Allerdings höchsten vier Stück hintereinander, sodass nach zwei Stunden eine größere Pause von 20 bis 30 Minuten ansteht.

Ein Patentrezept, das für alle Lernenden gleichermaßen gilt, gibt es allerdings nicht. ″Jede*r muss selbst herausfinden, welcher Weg der richtige ist″, betont Schwalm. ″Manche stellen sich vielleicht einen Wecker, um an die Pausen erinnert zu werden, andere fühlen sich dadurch in ihren Gedanken gestört. Ein Richtig oder Falsch gibt es daher nicht.″

"Pausen sind so wichtig wie das aktive Lernen selbst."

Roland Schwalm, Lerncoach

Pause machen - aber richtig
Doch wie macht man richtig Pause? Wichtig ist laut Schwalm, das Lernen loszulassen, auch gedanklich. ″Verlassen Sie, wenn möglich, am besten den Raum″, rät Schwalm. ″Bewegung ist sehr gut, genauso wie ein Glas Wasser zu trinken. Vielleicht können Sie etwas leichte Hausarbeit erledigen, ein paar Atemübungen machen oder die Augen schließen und kurz meditieren. Wenn Sie währenddessen den Lernort gut durchlüften und für ordentlich Sauerstoff sorgen, lernt es sich nach der Pause besonders gut.″

Ganz wichtig ist, die Pause nicht dazu zu nutzen, um das Gehirn in den gleichen Modus zu versetzen wie beim Lernen. Sprich: Nehmen Sie keine Informationen auf, die es zu verarbeiten gilt. Schwalm rät daher vom Griff zum Smartphone während der Pausen ab. ″Facebook, WhatsApp, Instagram - Social-Media-Kanäle transportieren so viele Informationen, die das Gehirn wieder bewerten muss: Was soll gespeichert, was kann gelöscht werden? Dabei braucht das Gehirn die Pause aber, um sich mit den Informationen aus der Lernphase zu beschäftigen.″

Auch die Partner*innen können unterstützen. ″Pausen sollen einfach sein″, betont Schwalm. ″Wenn der*die Partner*in etwas Wichtiges bereden möchte, sollte das besser nicht in den Pausen geschehen. Gleiches gilt auch für anstrengende Telefonate.″

So viel Spaß das Lernen auch macht, es sollte nicht unterschätzt werden, wie viel Energie es kostet. ″Regelmäßige, gute Pausen gehören zum erfolgreichen Lernen einfach dazu″, stellt Schwalm klar. ″Nehmen Sie sich die Auszeiten - ganz ohne schlechtes Gewissen.″

Schon gesehen? Jeden Monat gibt es unser kostenloses Webinar ″Lernen lernen″. Darin verrät Lerncoach Roland Schwalm noch weitere Tipps und Techniken für erfolgreiches Lernen - für Lernneulinge zum Einstieg und für alte Hasen zur Auffrischung.

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