von Barbara Debold  31. Januar 2019
Lesedauer: 3 Minuten

„New Work wird die Weiterbildung stärken“

Für die Arbeitsmarktforscherin Dr. Sandra Hofmann ist klar: New Work wird die Arbeitswelt von morgen verändern – auch zum Vorteil der Arbeitnehmenden.

Seit 2014 als Forschungsleiterin Arbeitsmarkt beim Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR tätig, beschäftigt sich die Diplom-Volkswirtin Dr. Sandra Hofmann täglich mit den aktuellen Entwicklungen des Arbeitsmarktes und deren Folgen. Im Interview haben wir mit ihr über das Konzept „New Work“ und die Auswirkungen auf unsere zukünftige Arbeitswelt gesprochen.

Frau Dr. Hofmann, was verstehen Sie unter „New Work“?
Ich verstehe darunter das Verändern der Arbeitswelt und ihrer Prozesse durch moderne Faktoren wie die Digitalisierung. Sie bestimmen, wie sich Berufsbilder zukünftig zusammensetzen und wie wir arbeiten werden.

Wie wird sich die Digitalisierung dann konkret auf die Arbeitswelt auswirken?
Ich hoffe und gehe davon aus, dass sie hilft, Arbeitsprozesse zu optimieren. Roboter werden die menschliche Arbeit jedenfalls nicht ersetzen. Das ist in meinen Augen eine überzeichnete Debatte. Die Digitalisierung ist vielmehr ein großer und notwendiger Hebel, um den demografischen Wandel in der Arbeitswelt zu bewältigen. Denn der kommt jetzt. Die Digitalisierung kann helfen, die Lücke bei den Erwerbstätigen zu schließen.

„Die Digitalisierung beschleunigt letztlich den Wandel der Arbeitswelt.“

Dr. Sandra Hofmann, Arbeitsmarktforscherin

Wichtig ist mir zu betonen, dass es schon immer große Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt gab. Etwa durch die Automatisierung. Sie lebt unter dem Deckmantel der Digitalisierung fort, auch wenn sie durch die Vernetzung eine neue Qualität bekommt. Die Digitalisierung beschleunigt letztlich den Wandel der Arbeitswelt.

Wird der Wandel auch dazu führen, dass wir künftig keinerlei körperliche Arbeiten mehr verrichten müssen?
Nein, so weit würde ich nicht gehen. Es wird weiterhin körperliche Arbeit geben. Schon alleine weil Unternehmen ganz rational überlegen, was für sie günstiger ist: ein Roboter oder geringfügig Beschäftigte? Zugleich sind – trotz aller Fortschritte – gewisse körperliche Tätigkeiten nicht ersetzbar. Ich denke da beispielsweise an feinmechanische Tätigkeiten oder solche, bei denen es besonders auf die Hand-Augen-Koordination ankommt.

Wie begegnen Unternehmen dem New Work-Ansatz?
Das lässt sich klar umreißen. Unternehmen sind stark von dem Gedanken getrieben, Umsatz und Gewinn zu erwirtschaften. New Work und Digitalisierung erweitern die Möglichkeiten, dieses Ziel flexibel zu erreichen. Etwa durch einen optimierten Mix von Maschinen und Mitarbeitern. Wie genau dieser aussieht, das wird noch zu klären sein, und das wird jedes Unternehmen für sich selbst definieren müssen.

Können Sie uns näherbringen, welche Erwartungshaltungen Arbeitnehmer mit New Work verbinden?
In dieser Frage schwingen viele Aspekte mit. Zunächst einmal hat sich die Position der Angestellten verbessert. Wir haben in den letzten Jahren in Deutschland einen Machtwechsel auf dem Arbeitsmarkt erlebt. Weg vom Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt. Das Gut der Arbeitskraft wird immer knapper. Die Arbeitnehmer können sich die Arbeit aussuchen. Sie gewinnen mehr Mitspracherecht und bauen Druck auf, um ihre Forderungen durchzusetzen.

„New Work eröffnet neue Chancen.“

Dr. Sandra Hofmann, Arbeitsmarktforscherin

Dabei eröffnet New Work neue Chancen. Arbeitnehmer fordern mehr Flexibilität von den Arbeitgebern. Ich mache etwa eine sinkende Bereitschaft zur Mobilität aus. Das soziale Umfeld wird wichtiger. Heute ist der Wunsch viel ausgeprägter als noch vor 15 Jahren, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bringen. Dieser Wunsch wird inzwischen gesellschaftlich akzeptiert, da er immer mehr Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abholt. Sei es bei Familien mit kleinen Kindern oder bei Mitarbeitern, die Angehörige pflegen. Die Digitalisierung macht es möglich, diese Forderungen zu realisieren. New Work ist der Katalysator.

Sie beobachten, dass die Bereitschaft, mobil zu sein, abnimmt. Welche Antworten kann New Work hierauf geben?
New Work kann sicher nicht allen Beschäftigten gleichermaßen Möglichkeiten bieten. In Deutschland haben wir einen hohen Dienstleistungsgrad. Beschäftigte in diesem Bereich werden kaum profitieren können. Denken Sie etwa an den Friseur oder an Pflegeberufe.

Klar ist aber auch, dass sich Server oder vernetzte Maschinen aus dem Homeoffice steuern lassen. Für Berufstätige in einem solchen Arbeitsumfeld bietet die Digitalisierung Annehmlichkeiten. Das kann so weit führen, dass jemand einen Job bei einem Unternehmen in Hamburg annimmt, ohne seinen Lebensmittelpunkt in München aufgeben zu müssen.

„Lebensbegleitendes Lernen ist das A und O.“

Dr. Sandra Hofmann, Arbeitsmarktforscherin

Wenn New Work die Arbeitswelt maßgeblich beeinflusst, was heißt das dann für das Aus- und Weiterbildungssystem?
Beides wird viel stärker in den Vordergrund rücken. Schon lange verläuft ein Berufsleben nicht mehr geradlinig. Lebensbegleitendes Lernen ist das A und O. Für Unternehmen ist es – im eigenen Interesse – sinnvoll, ihren Angestellten ein Budget für die Weiterbildung bereitzustellen. Das hilft, etwaige Hürden abzubauen. Denn neben der zu investierenden Zeit sind dies für Berufstätige oft die Kosten.

Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass die Digitalisierung hilft, Weiterbildungsangebote attraktiv und sexy zu machen. Die Nutzung neuer Medien machen sie zeitgemäßer. Viele werden sich davon ansprechen lassen und wollen mitmachen. Das betrifft sowohl den Präsenzunterricht als auch das Fernlernen. New Work wird die Weiterbildung stärken, und zwar quer durch alle Berufsgruppen.

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